Andacht

Apostelgeschichte 17, 16-34

 

Viele tun sich schwer mit dem christlichen Glauben. Wir kennen das aus dem Freundes – und Familienkreis. Und manchmal vielleicht auch bei uns selbst, wenn das, was wir gelernt haben, fragwürdig wird.  Paulus spricht in Athen auf seiner 2. Missionsreise in Athen zu Leuten, die neugierig aber skeptisch sind

 

Paulus in Athen. Zugegeben, damals war Athen eine Kleinstadt mit 5000 Einwohnern, die von der alten glanzvollen Vergangenheit lebte. Aber immerhin trifft er hier nicht nur auf die üblichen ersten Adressaten seiner Missionstätigkeit. Er geht auch in die Synagoge, aber dann sucht er bewusst das Gespräch mit den Gebildeten der damaligen Zeit.

Religiös war das damals ziemlich unübersichtlich. Es gab eine Menge Göttinnen und Götter, Zeus, Diana, Athene usw…und um ja keinen auszulassen, stand da auch noch diese eine Statue mit der Aufschrift: „Dem unbekannten Gott.“

Können wir die Athener verstehen? Wenn es so eine große Auswahl gibt, dann ist die Entscheidung schwer.

Unsere Fülle heute ist ja ungleich größer. Das fängt bei den Fernsehprogrammen an oder ereilt uns beim Einkaufen im Supermarkt oder der Auswahl im Internet.

Ebenso ist die Auswahl an Religionen sehr viel größer geworden. In meiner Jugend gab es entweder evangelisch oder katholisch, auch hier in Brackel. Bei der Trauerfeier für die Verstorbenen in der Coronapandemie am letzten Sonntag trat neben dem Evangelischen Ratsvorsitzenden der EKD und dem Vorsitzenden der kath. Bischofskonferenz auch ein orthodoxer Priester, eine jüdische Kantorin und ein muslimischer Imam auf, so wie wir es in den letzten Jahren auch immer beim Friedensgebet auf der Halde erlebt haben. Und im Internet kann man auch jederzeit zu fernöstlichen Religionen wie Buddhismus oder Sen Kontakt bekommen. Diese große Auswahl ist schon erschreckend und die Frage von Pilatus drängt sich auf: Was ist Wahrheit?

Wie geht Paulus vor? Er holt die Zuhörenden ab.“ Ihr habt religiös eine Menge zu bieten“, sagt er. Und dann knüpft er an bei der Glaubensvorstellung der Menschen damals.

1.    Gedanke Schöpfung

Gott hat die Welt erschaffen, deshalb braucht er keine Tempel und Opfer. Ja mehr noch, er hat uns zu seinem Ebenbild gemacht, deshalb können alle Gott fühlen und finden. Hilft das heute auch ? Im Neandertal bei Düsseldorf ist ein Museum zur Evolutionsgeschichte entstanden. Gott kommt dort nur einmal im Eingang vor, nämlich, wenn aus einer Art Musikbox der Choral „Lobe den Herren“ ertönt, der bekanntlich von dem ev. Pfarrer Joachim Neander 1680 verfasst worden ist. Vielleicht ist das ja aber die eigentliche Glaubensantwort der Menschen auf die Schöpfung. Das Lob Gottes, nicht das Wie der Schöpfung ist das Bedeutsame, sondern das, was wir jetzt im Frühjahr wieder erleben. Wunderbar, wie alles aufbricht, wie alles blüht, wie neues Leben entsteht. Im Lokalteil der Ruhrnachrichten können die Menschen gar nicht genug Bilder einstellen vom Frühling und dem Erwachen der Natur.

3. Jetzt grünet, was nur grünen kann,

Halleluja, Halleluja,

die Bäum zu blühen fangen an.

Halleluja, Halleluja

So hat es Friedrich Spee fast zeitgleich mit Joachim Neander gedichtet.

Jauchzet Gott, alle Lande!

Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! So heißt es in Psalm 66.

Dann geht Paulus noch einen Schritt weiter. Er sagt von diesem Gott:  fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

28 Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Das klingt erstaunlich modern. Wenn Menschen heute sagen, dass sie vielleicht an ein höheres Wesen glauben, nicht unbedingt an den Gott der Bibel. Paulus zitiert sogar nicht einmal das Alte Testament, wie er es sonst tut sondern antike Schriftsteller. „Wir sind seines Geschlechts“, so haben die es formuliert; er hätte auch sagen können zu seinem Bilde schuf er den Menschen als Mann und als Frau 1. Mose 1,27

Bisher können wir von Paulus zweierlei lernen. Wenn wir über Gott als den Schöpfer reden, ist das staunende Lobe die beste Art und Weise. Das zweite:  Hol die Menschen da ab, wo sie sind mit ihren Glaubensvorstelllungen, denn „Gott ist nicht ferne von einem Jeden unter uns“

2.    Umkehr

Heißt das nun, dass es egal ist, was ich glaube, Hauptsache ich bin irgendwie religiös unterwegs? So einfach macht es uns Paulus nicht. Er führt die Athener nämlich noch einen Schritt weiter. Klar konnten sie leicht zustimmen, dass Schöpfung meint, dass es hier eine Ordnung des guten Lebens gibt. Aber dann sagt er: Dieser Gott, den ich euch verkündige, der will den Erdkreis richten. Man kann förmlich das Stirnrunzeln bei den Zuhörenden sehen. Wie richten?  Wir haben es uns in der evangelischen Kirche weitgehend abgewöhnt, vom richtenden Gott zu sprechen. Aber was meint denn die Rede vom Gericht Gottes. Nun dies: Dein Verhalten bleibt nicht ohne Folgen. Das gilt im privaten Bereich wie im Bereich des Staates und der Gesellschaft. Der Klimawandel ist ein Beispiel dafür, was geschieht, wenn wir uns nicht angemessen unserer Schöpfungsverantwortung entsprechend verhalten.

Waren die Athener schon bei diesem Gedanken schockiert, so steigen sie völlig aus, als Paulus nun von Jesus als dem Auferstandenen spricht.

„Darüber wollen wir dich ein andermal hören“ sagen sie zu der Osterbotschaft. Aber gerade das ist das Wesentliche der Predigt von Paulus. Ja, es gibt den Gerichtswillen Gottes, er will uns den Spiegel der guten Schöpfungsordnung vorhalten und zeigen, wo wir versagt haben, wo wir umkehren müssen.

Aber es gibt mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten auch noch etwas über unser Versagen hinaus. Es gibt die Gnade im Gericht und ein Leben über den Tod hinaus.

Wie ging das damals weiter in Athen? Von einer Gemeindegründung ist nichts berichtet, aber „Einige … schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

So ist das, wenn es von der Diskussion über Glaubenswahrheiten in die praktische Nachfolge geht.

Möge Gott uns dazu immer wieder neu den Mut und die Kraft geben.

 

 

Gerd Kerl
Pfarrer i.R.