Andacht

Geht das überhaupt, in Corona-Zeiten Weihnachten feiern?

 

Ja, Gott will es so – immer noch und immer wieder. Darum: Freut euch!

Ja, zu Weihnachten wird´s in diesem Jahr anders werden als gewohnt.  Fürchtet euch nicht!

Ja, Corona stellt viel Selbstverständliches in Frage: Werde ich, werden meine Lieben zu Weihnachten gesund sein? Welche Gottesdienste können wir feiern? Drinnen oder draußen? Wie viele Gäste dürfen zu mir nach Hause kommen? Kann ich verreisen?

Ja, Möglichkeiten gestalten, wie sie sich um den 24. Dezember herum bieten, improvisieren, kreativ und flexibel sein, das werden in diesem Jahr gefragte Talente sein. Und viele werden erstaunt und voller Freude entdecken, dass sie davon eine Menge zu bieten haben. 

 

Die Worte des Propheten Jesaja gelten dir: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell“ (Jesaja 9,1). In der Weihnachtsgeschichte nennt Lukas das Licht Klarheit (Lukas 2,9). Sie kommt ja nicht von der Sonne. Sie kommt aus Gottes Gegenwart und gewährt Durchblick und Ausblick. Gott öffnet die Augen, die Ohren, das Herz: „Ich bin da“, lässt sie wissen, „wenn ihr unsicher seid und bedrängt, wenn ihr euch vortastet, sucht, findet, erwägt und verwerft“. Darum sagt der Engel: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude … euch ist heute der Heiland geboren“ (Lk 2,10.11),

 

Gott  lädt ein, der Weihnacht zu trauen, wie es die Hirten vor 2020 Jahren taten. Nimm Gott beim Wort. Vom heruntergekommenen Heiland in der Krippe kannst du dich finden lassen (Wobei „heruntergekommen“ auch soziökonomisch gemeint ist). Durch seine heilende Kraft wirst du leben.

 

Freu´ dich: Der Heiland, der Heilende kommt auch heute zur Welt. Gott kommt in die Welt. Das Virus wird sie nicht davon abhalten. Auch wenn´s der Tod wohl gern so hätte. Immer wieder bringt Gott Liebe, Kreativität und Begeisterung genug und im Überfluss in die Welt.  Damit will er Menschen anstecken. Damit will sie befreien von Krankheit und Hass, Tod und Gewalt.

Gott hält nichts von Abstand. Gott mischt sich ein. Gott mischt sich unter. Zu Weihnachten demaskiert Gott so manches gekrönte Haupt. Orientierung und Lösungsansätze, Freude und Geborgenheit in der Welt kräftig zu machen, hat nichts mit den hohlen Versprechungen von selbst ernannten Anführern zu tun. Diese betäuben die Sehnsucht nur. Sie verzerren die Wirklichkeit, schüren Misstrauen, Hass und Hetze. 

 

In der 1. Weihnacht waren es Kaiser Augustus und König Herodes. Ihnen wäre es lieber gewesen, wenn alles beim Alten geblieben wäre - niedergehalten, angstbesetzt, kontrollier- und beherrschbar. Einiges haben sie auch dafür getan … Heute sind´s ähnlich macht- und profitgierige Menschen, die das Leben auf der Erde vor die Wand fahren. Sie provozieren ökologisch mörderische Bedingungen, die nicht nur Sars Covid-19 hervorbringen.

 

Gott hat anderes im Sinn! Gott entfaltet seine Schöpfung. Gott weckt und richtet Leben auf.   Weihnachten – Wendezeit:  Gott lädt ein, ihrem Licht zu folgen.

Die Engel fuhren wieder gen Himmel, heißt es in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas.  Die Klarheit, die Orientierung, die Energie aber bleiben bei den Menschen. Sie ziehen los und finden den Heiland. Damals waren es zuerst Hirten. Sind es heute du und ich und unsere Nachbar*innen auch? Und wo wirst du ihn heute finden – den Heiland?

 

Der Engel damals gibt Anhaltspunkte: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen“ (Lukas 2,12). Für einige ein Schock:  Der Heiland der Welt macht sich in die Hose und liegt in einem Futtertrog? So erbärmlich sieht der Himmel auf Erden aus? Wie soll so einer helfen? Zerbrechlich und kräftig, lebenshungrig und wachsend und einfach da, wo die meisten Menschen leben – im Dreck?“ Mit Damasttischdecke, Weihnachtsbraten und Kirchgang in Abendgarderobe hat das erste Weihnachtsfest wenig zu tun!

 

Weihnachten – Gott setzt sich aus. Gott wird Mensch in Gefahr, so wie viele Menschen damals und heute auch leben.

Gott läuft neben der Spur und wird gefährlich - dem Virus von Tod, Gleichgültigkeit und unersättlicher Gier.

Gott traut sich was. Und Gott traut uns was zu.

 

Weihnachten – das ist ein Fest am Boden. Fest geerdet, auf dem Boden der Tatsachen be-suchen die Hirten das Christuskind. Bodenständig und begeistert sind sie von den Perspektiven, die Gott ihnen bietet.

 

War damals irgendetwas geplant oder vorbereitet? Die Beteiligten – sogar Maria und Josef - waren überrumpelt von dem Geschenk, das Gott ihnen da macht. Irgendwann konnten sie sich darauf einlassen. Besonnen sind sie dann mitgegangen mit ihrem Gott.

 

Macht abgeben, Traditionen einmal lassen - auch wenn´s weh tut -, den/die andere in den Blick nehmen, erkennen, was sie/er zum Leben braucht und dazu beitragen, Vertrauen teilen, nicht planen und machen, sondern sich beschenken und die Freude wirken lassen, darüber staunen, was sich dann entwickelt – auch bei dir und deinen Talenten – hat das mit Frieden auf Erden zu tun?

 

Weihnachten – Lösung vom Alten und Lösung für´s Alte, Beginn von etwas atemberaubend Neuem. In dieses Geschehen lass´ dich hineinziehen. Menschen in der Kirchengemeinde Brackel - du vielleicht auch - er-finden gerade viele Formen, Weihnachten zu feiern.

 

Ja, Weihnachten 2020 wird anders und es bleibt, wie es ist: Gott richtet unsere Füße auf den Weg des Friedens, sagt schon Zacharias in der Weihnachtsgeschichte (Lk 1,79).

 

Eine heilsam andere, heilende Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Pfarrerin

Astrid Sperlinger-Rachilin.