Haus Beckhoff
Haus Beckhoff konnte bereits das 25-jährige Jubiläum feiern: Am 1. Advent 1988 wurde das auf dem Kirchplatz neu errichtete „Gemeindehaus“ feierlich eingeweiht.

Der Glanz war irgendwie nötig und tat gut; denn bis dahin hatte das Fachwerkhaus eine wenig glänzende Geschichte. Genannt ist das Haus nach seiner Vorbesitzerin Herta Beckhoff. Sie wohnte in diesem Haus am Brackeler Hellweg 117. Herta Beckhoff war arm und bekam von der Gemeinde viele Jahre lang Unterstützung. Aus Dankbarkeit vererbte Herta Beckhoff ihren Besitz der Kirchengemeinde. Diese war Ende der 70-er Jahre zunächst überhaupt nicht erfreut. Denn das alte verfallene Fachwerkhaus schien für die Gemeinde eine große Belastung zu sein bzw. zu werden. Als die Gemeinde erfuhr, dass zu dem Haus auch ein Sparbuch gehörte mit einem nicht unerheblichen Vermögen (von dem Herta Beckhoff offensichtlich bis zu ihrem Tod nichts wusste), reifte der Entschluss, aus diesem Haus ein „Gemeindehaus“ zu machen.

Die damalige Presbyterin Elisabeth Bollak war seinerzeit die treibende Kraft und Pfarrer Wiegand hatte die Idee, das Haus herzurichten und einen besonderen Treffpunkt für die Gemeinde zu schaffen. Diese Ideen stießen nun gar nicht auf Gegenliebe. Denn das Fachwerkhaus stand nicht einmal 500 Meter vom Gemeindehaus in der Bauerstraße entfernt. Wozu sollte solch ein Treffpunkt also gut sein? Dennoch wurde weiter geplant. Und irgendwann stand die Idee im Raum, das Fachwerkhaus zu „translozieren“, also abzubauen und auf dem Kirchplatz wieder neu zu errichten. Wieder hielt sich die Begeisterung des Presbyteriums deutlich in Grenzen. Es gab viel Gegenwind. Als Pfarrer Helmut Wiegand die Gemeinde verließ, nahm Pfarrer Manfred Schwarz das Projekt in die Hand und hat mit Geduld und Beharrlichkeit die „Translozierung“ vorbereitet. Denn es gab viele Bedenkenträger, die sich ein Gebäude auf dem Kirchplatz nicht vorstellen konnten oder wollten. Das Haus würde die Kirche verdecken, den Ortskern verschandeln. Mit einem Modell im Maßstab 1:1 sollten alle Kritiker überzeugt werden. Als das Modell stand, gingen die Entsetzensschreie erst richtig los: Das mit schwarzer Folie bespannte Modell machte auf dem Kirchplatz tatsächlich keine gute Figur. Wenn das Sparbuch nicht gewesen wäre, wenn nicht sichergestellt worden wäre, dass keine Kirchensteuermittel ver(sch)wendet würden, wäre Haus Beckhoff vermutlich nie auf den Kirchplatz gekommen. Nach 20 Jahren hat dieses Haus bereits eine durchaus bewegte Geschichte. Da war die Märchenbühne, da war das Kabarett, da war die Musik, da waren kulturelle Veranstaltungen – Haus Beckhoff hat schon viel erlebt und viele schon vieles erleben lassen. Der Weltladen richtete sich ein, der Café-Betrieb wurde aufgenommen. Viel Arbeit und viel Personal brauchte das Haus für einen guten Start.

Heute hat sich eindeutig der Mittagstisch etabliert. Die meisten Besucherinnen und Besucher des Hauses sind StammkundInnen. „Und die haben ihre besonderen Gewohnheiten“, berichtet Olga Lestschewa. „Wir wissen schon, was bestellt wird, wenn wir sehen, wer das Café betritt.“ Anfangs waren es 12 bis 15 Mittagessen pro Tag, mittlerweile sind es 40 bis 45, an besonderen Tagen auch bis 50. Dann platzt Haus Beckhoff beinahe aus den Nähten. Es wird nicht nur Mittag gegessen – die Gäste feiern auch gemeinsam, wenn jemand Geburtstag hat. Und sie nehmen immer die Gelegenheit wahr, ausgiebig miteinander zu plaudern und Geschichten zu erzählen. Auf der Deele haben sich inzwischen verschiedene Gemeindegruppen eingerichtet, so dass der Belegungsplan immer gut gefüllt ist. In Haus Beckhoff ist Gemeinde unverwechselbar lebendig.

Das Haus ist nicht nur gemütlich, es hat eine wohltuende Atmosphäre, die das Team täglich neu herzustellen weiß. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und zusammen mit dem neuen Arent-Rupe Haus und der Arent-Rupe-Villa setzt Haus Beckhoff einen eigenen und ganz besonderen Akzent in unserer Gemeinde.